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Tierschutz als christlicher Auftrag

  • 21.06.18 13:24
  • Lars Schäfers
  •   Im Auftrag des Herrn

Lange Zeit wurde das biblische Mensch-Tier-Verhältnis missinterpretiert. Papst Franziskus hat dies in seiner Umweltenzyklika Laudato si‘ mit Bezug auf seinen Namenspatron, den heiligen Franz von Assisi, gerade gerückt. Dennoch sterben Tiere unnötig, auch bei uns. Schauplatz: Bonner Rheinaue. Aale und Enten. Aneinandergereiht liegen die leblosen Tiere dort im Gras. Die Helfer des Tierrettung Unterland e.V. bergen die toten Kadaver und bringen verletzte Vögel in Auffangstationen. Mehr als 400 Tiere sind hier verendet. Die Ursachen sind nach Angaben der Stadt Bonn wahrscheinlich Sauerstoffmangel im Wasser sowie Botulismus. Dabei bilden Bakterien im Wasser einen Giftstoff, der die Wasservögel lähmt, sodass sie ertrinken. Der mangelnde Sauerstoff im Wasser lässt indes die Fische sterben. Das Ganze ist durch menschlichen Einfluss verstärkt worden: „Das größte Problem, das wir einfach haben, ist, dass die Tiere gefüttert werden“, erklärt Dieter Fuchs, Leiter des Bonner Amts für Stadtgrün. Es sind die Lebensmittel, die von Besuchern der Rheinaue zur Tierfütterung ins Wasser geworfen werden, die durch chemische Reaktionen zu Botulismus führen.

Tierschutz als christliches Gebot

Gut gemeint war beim Tierfüttern hier also das Gegenteil von gut. Doch wie gut meint es der Mensch eigentlich mit dem Tier? Wie gut sollen Christinnen und Christen es vor dem Hintergrund biblisch-christlicher Ethik mit ihnen meinen? Lange Zeit dominierte die Vorstellung des Menschen als Krone der Schöpfung, demgegenüber alle anderen Geschöpfe zweitrangig sind. Die biblische Begründung hierfür sah man in der Schöpfungsgeschichte der Bibel: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen“ (Gen 1,28). Und auch Jesus scheint dieses Verständnis zu teilen, wenn er etwa zu den Menschen sagt: „Ihr seid mehr wert als viele Spatzen“ (Lk 12,7). Ist also die Position einer gänzlichen Unterordnung der Tiere unter die menschlichen Zwecke christlich?

Alle Geschöpfte sind Geschwister

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Vor zwei Jahren hat Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika Laudato si‘ dazu unmissverständlich Stellung bezogen: „Heute sagt die Kirche nicht einfach, dass die anderen Geschöpfe dem Wohl des Menschen völlig untergeordnet sind, als besäßen sie in sich selbst keinen Wert und wir könnten willkürlich über sie verfügen“ (LS 69). Er verweist auch auf seinen Namenspatron, den heiligen Franziskus von Assisi. Dieser sprach voller Ehrfurcht von den Tieren als „unseren Brüdern“. So kann er als ein christlicher Tierschützer der ersten Stunde gelten.

Trotz der Uneindeutigkeit der Bibel und der Äußerungen Jesu hält die Kirche als Grundgebot biblisch-christlicher Ethik fest: Dem Menschen ist von Gott die Fürsorge für seine Mitgeschöpfe aufgetragen. Erneut mit Papst Franziskus gesprochen, widerspricht jegliche Grausamkeit gegenüber irgendeinem Geschöpf letztlich auch der Würde des Menschen (vgl. LS 92). Was lehrt uns die aktuelle Tragödie in der Bonner Rheinaue? Tiere zu füttern mag Spaß machen, doch für diesen Zweck sind sie nicht da. Vielleicht war es auch eine falsch verstandene Fürsorge. Doch dann muss man sich informieren über das, was wirklich dem Tierwohl dient. Gut, dass es ehrenamtliche Tierschützer wie jene der Tierrettung Unterland gibt. Ein Engagement, zu dem auch der christliche Glaube nach dem Vorbild des heiligen Franz von Assisi ermutigt.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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