(c) Rolf Buschhausen

Tief bewegt und dankbar

  • 12.09.18 11:45
  • Rolf E. Buschhausen
  •   Im Auftrag des Herrn

An der Grenze zu Nepal erwarteten mich bereits Schwester Vianney und Schwester Mallika, die Oberin des „Christalaya Convents“, der „Töchter vom Kreuz“ in Mahespur, etwa 60 Kilometer entfernt. Dort angekommen erhob sich vor mir ein rechteckiger Gebäudekomplex, die „Lodge“, ein Hostal, das Unterkunft und Verpflegung für zukünftig 100 Mädchenbietet und kurz vor der Fertigstellung steht. Schon seit etwa zwei Jahren haben etwa 50 Mädchen in den Parterreräumen des „Hostals“ ein zwar einfaches, vor allem aber sicheres Zuhause gefunden. Erste Impulse zu diesem Projekt kamen von der Provinzleitung der „Töchter“ in Kalkutta, zu der grenzübergreifend auch der indiennahe Teil von Nepal gehört. Die Initiativen für Maheshpur reichen jedoch wesentlich weiter. Sie sind sozusagen transkontinental und reichen über Köln weiter bis in die Düsseldorfer Altstadt. Dorthin, wo vor fast 55 Jahren die „Hilfsaktion für den fernen Nächsten“ ihre ersten Schritte begann. Hier, im ehemaligen Theresienhospital, das bis zu seiner Schließung ebenfalls von den „Töchtern vom Heiligen Kreuz„ geführt wurde, begann der Einsatz der Hilfsaktion für Indien. Seit ca. 38 Jahren helfen wir aber auch in Basanti im Gangesdelta und unterstützen das Nepal-Projekt.

Dankes-Feier für Monsignore

 (c) Rolf Buschhausen

Für 17.00 Uhr war an diesem Tag als Höhepunkt die „Teaparty“ uns zu Ehren angesetzt. Mädchen hatten einen weiten, dunkelroten Vorhang vor dem Eingangsbereich zum Schwesternkonvent befestigt. Der Vorplatz füllte sich: die Mädchen des Hostals, alle Arbeiter, Nachbarn, viele Kinder – rund 120 Menschen waren gekommen, um mit Reden, Sketchen und Tänzen zu danken und zu feiern. Es war schon dämmerig, als ich das Mikrofon nahm und in mäßigem Englisch meine Gruß- und Dankesworte sprach.

Mir war besonders wichtig, hervor zu heben, dass hinter unseren Hilfen hunderte, ja tausende Menschen aus Deutschland und Europa stehen, ohne deren Großzügigkeit unsere Hilfe überhaupt nicht möglich wäre. Dies bedeutet aber auch Einsatz vor Ort, „Hilfe zur Selbsthilfe“ für die Zukunft in Eigenverantwortung und für mehr Bildung und Frieden. Am nächsten Morgen ging es weiter. Der Landrover hielt mitten in einer erbärmlichen Ansammlung von Hütten. Mittelpunkt schien mir die  von Hand zu bedienende Wasserpumpe für die ganze Ansammlung zu sein. Es dauerte nur wenige Augenblicke, als von verschiedenen Seiten Kinder, Mütter mit Babies auf dem Arm, auch einige Männer zusammenliefen, um Schwester Vianney herzlich zu begrüßen. Sie hat zu Anfang ihrer Zeit in Nepal ihr Leben mit den Menschen hier geteilt, selbst in einer dieser Hütten gewohnt, sich an der Pumpe Wasser zum Waschen und Kochen geholt. Sie war eine von ihnen. Mich beschäftigt das bis heute. Tief beeindruckt und herzlich dankbar haben mich die Großzügigkeit der Gründungsstifterin unserer Stiftung werden lassen sowie weiterer Stifter und generöser Spender, die das Werk in Nepal überhaupt erst möglich machen – und vor allem die bescheidende Liebeswürdigkeit der unermüdlichen Schwester Vianney.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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