(c) Robert Boecker

Ministerpräsident Laschet: „Kirche muss mitreden“

  • 31.01.19 11:28
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Herr Laschet, wie wichtig war Ihr Elternhaus für Ihre christliche Sozialisation?

Mein Elternhaus war wegweisend für meine christliche Grundhaltung. Ich war in einem katholischen Kindergarten, in einer katholischen Grundschule und nach der Kommunion habe ich als Messdiener angefangen. Später wurde ich dann Gruppenleiter und habe viele Jahre lang Jugendarbeit gemacht. Mit vielen meiner Freunde von damals habe ich auch heute noch engen Kontakt. All das hat meine Beziehung zu Gott stark geprägt.

Sie waren sehr aktiv in Ihrer Gemeinde. Warum?

Ich habe oft meine Freizeit in der Pfarrei meines Wohnortes verbracht, auch weil mein privates Umfeld eben dort war. Ich habe mich in einer Dritte-Welt-Gruppe engagiert, war Lektor und habe im Jugend- und im Kirchenchor gesungen. Dort habe ich übrigens auch meine Frau kennengelernt – und meinen Schwiegervater gleich mit, weil er den Chor leitete. Zum Teil waren wir bis zu 120 Sängerinnen und Sänger, die auch große Oratorien zur Aufführung brachten.

Welche Bedeutung hat Gott in Ihrem Leben?

Ich bin ein gläubiger Mensch, aber das ist nichts, was ich stets öffentlich nach außen trage. Wenn ich es terminlich schaffe, versuche ich weiterhin, am Gemeindeleben teilzunehmen.

Fühlen Sie sich als Politiker berufen?

Berufung ist – im christlichen Sinne verstanden – ein sehr großes Wort. Ich glaube, dass man als Politiker schon dieses Gefühl braucht, etwas bewegen zu wollen und dann auch den Drang hat, das jetzt zu machen. 

Wie wichtig ist Ihnen das „C“ in Ihrem Parteinamen?

Sehr wichtig. Es ist für mich die Grundlage, aus der man die gesamte Politik ableiten kann. Zum Beispiel die soziale Marktwirtschaft: Sie ist nicht nur ein erfolgreiches Wirtschaftsmodell, sie entspringt vor allem einem christlichen Menschenbild. Nämlich, dass der Mensch zweierlei ist, Individuum und gleichzeitig Teil des Gemeinwesens. Das christliche Menschenbild verbindet beides.

Wie christlich kann Politik denn im Jahr 2018 noch sein?

Ich würde das Wort „christlich“ nicht nur für eine Partei ausschließlich in Anspruch nehmen. Es ist egal, ob man Christ, Muslim, Jude oder Buddhist ist – entscheidend ist das dahinterstehende Menschenbild. Zum christlichen Menschenbild kann auch jemand Ja sagen, der vielleicht gar keiner Religion angehört. In einer zunehmend säkularen Zeit wählen Millionen Menschen, die vielleicht gar keine christliche, kirchliche Bindung mehr haben, eine Partei mit dem C. Es geht vielmehr um Haltung und die eigene Lebenseinstellung als um Bibeltreue.

Wie bewerten Sie es, wenn sich die Kirche am politischen Diskurs beteiligt?

Kirche soll sich äußern, Kirche muss sich äußern – ganz besonders in ethischen Fragen. Kirche muss mitreden, auch weil sie zur Gestaltung der Welt aufgerufen ist. Die Kirche ist eine wichtige Stimme in der Flüchtlingskrise gewesen, sie hat Politik dabei auch ermahnt, stets die Menschen zu sehen. Die Kirche redet mit bei entwicklungspolitischen Fragen, beim Thema Bewahrung der Schöpfung. Selbst wenn ich nicht immer alles teile, was kirchliche Vertreter formulieren, halte ich es für wichtig, dass sie es tun. Im Übrigen erlaube ich mir den Hinweis: Die Stimme der Kirche ist ungleich stärker, wenn evangelische und katholische Seite sie gemeinsam erheben.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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