(c) Kirche in Not

Der Seelsorger und die Pygmäen

  • 19.04.18 10:38
  • Emmanuelle Ollivry-Kaeser
  •   Im Auftrag des Herrn

Die Pygmäen in der Republik Kongo gehören zu den ältesten Stämmen im Urwald. Obwohl sie weitgehend ihre eigenen Kulte pflegen, gab es in den vergangenen Jahrzehnten auch Begegnungen mit dem Christentum. Einzelne Stammesmitglieder ließen sich taufen. Franck Bango, Priester der Diözese Ouésso im Kongo wirkt als Seelsorger unter den Pygmäen, unterstützt vom päpstlichen Hilfswerk "Kirche in Not".

 

Seit wann gibt es unter den Pygmäen katholische Christen?

Katholische Pygmäen gibt es schon seit einiger Zeit, aber ihre Präsenz fällt noch kaum auf. In den 1960er Jahren haben sich im Kongo die Spiritaner (Ordensleute der „Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist“, Anm. d. Red.) dieser Ureinwohner angenommen. Später haben das die Franziskanerschwestern fortgesetzt. Sie haben sich für Bildung und medizinische Versorgung der Pygmäen eingesetzt, denn sie sind vielfach von den übrigen Einwohnern abgetrennt und vergessen. In der Folge ließen sich auch einzelne Stammesangehörige taufen. Sie besuchten die Gottesdienste in den nächstliegenden Pfarreien – auch wenn das bisweilen stundenlange Fußmärsche bedeutete. Neu ist jetzt, dass es eine eigene Pfarrei in einem Pygmäendorf gibt. Die Einwohner hatten selbst darum gebeten. Und ich bin seit vier Jahren ihr Pfarrer.

Was ist das Neue an diesem Modell?

Die Pygmäen sind fast allein dafür zuständig, damit das Gemeindeleben gelingt. Einige von ihnen wurden zu Katecheten ausgebildet und erteilen Religionsunterricht, die Pfarreimitglieder verwalten die geringen Gemeindefinanzen, sie legen die Ordnung der liturgischen Feier fest, bilden die Chorsänger und die Messdiener aus. Das ist für viele ein großer Schritt, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Aber die Pygmäen bleiben nicht unter sich. Alle sind in unserer Gemeinde willkommen.

 

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Viele Werte des Evangeliums sind schon unter den Pygmäen präsent. Welche zum Beispiel?

Die Ehe hat bei den Pygmäen einen hohen Stellenwert. Es gibt weder Scheidung noch Polygamie. Der ganze Reichtum der Pygmäen ist die Familie. Sie sind keine Materialisten. Selbst wenn sie ein wenig Geld zur Verfügung haben, geben sie es nicht für Besitztümer aus. Als ich ihnen erklärte, wie nah sie der Lehre der Kirche schon sind, begann sich etwas in ihnen zu ändern. Sie hörten mir zu und da sie mit einem außergewöhnlichen Gedächtnis begabt sind, merkten sie sich alles.

Nach zwei Jahren konnten wir in unserer Pfarrgemeinde die ersten Taufen und Hochzeiten feiern. Einer von den Neugetauften ist mittlerweile Katechet.

Was hat der christliche Glaube im Leben der Pygmäen verändert?

Ein großes Problem war der Alkoholkonsum. Am Wochenende und den traditionellen Beschneidungsfesten, mit denen meistens samstags der Eintritt der Männer ins Erwachsenalter gefeiert wird, wurde sehr viel getrunken. Ich habe den Männern dann versucht zu erklären, dass der Alkoholkonsum den Respekt vermindern würde, den ihre Frauen und Kinder ihnen sonst entgegenbringen. Das hat sie sehr betroffen gemacht. Mittlerweile nehmen sie immer noch an diesen traditionellen Festen teil, trinken aber maßvoll – und kommen am darauffolgenden Sonntag zur heiligen Messe.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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