(c) Lars Schäfers

Der Petersdom in klein

  • 04.09.18 14:26
  • Lars Schäfers
  •   Glaubensmagnete

Eine massive Kirchenfassade mit stämmigen Säulen. Es ist der Stil der Renaissance-Zeit gemischt mit barocken Elementen. Wer den Frontbereich dieser Basilika betrachtet, wähnt sich vor dem Petersdom in Rom. Doch ringsherum stehen moderne, gläserne Hochhäuser, dazwischen liegen Grünanlagen und verkehrsreiche Straßen. Das Kirchengebäude wirkt hier irgendwie „deplatziert“. Wir sind doch nicht in Rom? Nein, in Montréal, der zweitgrößten Metropole Kanadas. Der Betrachter steht hier vor der Fassade der Marie-Reine-du-Monde, der Kathedrale des Erzbistums Montreal. Sie sieht dem Petersdom aber zum Verwechseln ähnlich, ist sie doch eine kleinere Nachbildung desselbigen. Bei einer Länge von etwa 102 Metern, einer Breite von 46 Metern und einer Höhe von knapp 77 Metern misst die Basilika etwas mehr als die Hälfte der Größe des Petersdoms. Auch das Innere der Basilika ist dem Petersdom nachempfunden. So springt beim Betreten sofort der große Baldachin über dem zentral gelegenen Hauptaltar ins Auge und beim Blick nach oben erkennt man auch die reich ausgeschmückte Kuppel wieder.

Eintreten und die Alltagshektik draußen lassen

 (c) Lars Schäfers

Errichtet wurde die Basilika, die Maria, der Königin des Friedens gewidmet ist, von 1870 bis 1894. Es war die Zeit während und nach dem Ersten Vatikanischen Konzil, auf dem das Dogma vom Jurisdiktionsprimat und der Unfehlbarkeit des Papstes in Fragen des Glaubens und der Moral proklamiert wurde. Es war eine Zeit der Defensive der katholischen Kirche gegenüber den geistigen und politischen Entwicklungen der modernen Welt. In dieser Phase, in der die Treue zur römischen Kirche Garant für die Sicherheit des Glaubens war, galt Marie-Reine-du-Monde als das herausragendste Symbol des kanadischen Ultramontanismus, der Papsttreue der kanadischen Katholikinnen und Katholiken.

So holten diese sich letztlich ein Stück Rom zu sich nach Montreal. Wer einmal den Petersdom besucht hat, wird auch heute das typisch römisch-vatikanische Flair in der kanadischen Basilika wiedererkennen. Besonders durch ihre zentrale Lage in der City bietet sich Touristinnen und Touristen hier die Gelegenheit, Halt zu machen und die moderne, hektische Großstadtatmosphäre einmal ganz hinter sich zu lassen. Auch wer bisher noch nicht im Vatikan gewesen ist, kann hier die Schönheit römisch-katholischer Architektur auf sich wirken lassen. Beim Erkunden und Verweilen in dieser Basilika kann man in eine spirituelle Welt eintauchen, die sich nicht mehr als Trutzburg gegen den vermeintlich so gefährlichen Modernismus versteht, wohl aber einem dabei helfen kann, die weltliche Welt und ihre Sorgen zumindest für kurze Zeit hinter sich zu lassen und sich Gott, dem ganz Anderen, zuzuwenden.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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