(c) Sr. Theresita M. Müller

Bethlehem in Lettland

  • 26.06.18 15:22
  • Sr. Theresita M. Müller
  •   Im Auftrag des Herrn

„In unserem kleinen Bethlehem sollen Menschen am Rand ein Stück Licht und Heimat erleben, wie Maria und Josef sie in Bethlehem gefunden haben“, sagt Liga Roke-Reimate, Mitarbeiterin im Bethlehemhaus für Alkohol- und Drogenabhängige in Riga. Die junge Frau arbeitet seit der Gründung 2011 im Bethlehemhaus und auf dem Rehabilitationsbauernhof des Vereins „Nova Vita“. 95 Prozent der Menschen, die um Aufnahme in das Rehabilitationsprogramm bitten, sind Männer. Jeder „Neue“ lebt und arbeitet zunächst zwei Monate lang auf dem Bauernhof. Die 16 Hektar große ehemalige Kolchose bei Olaine, 27 km südlich von Riga, gehört seit fünf Jahren zum Bethlehemhaus. Bislang haben 450 Personen das einjährige Rehabilitationsprogramm durchlaufen. Wie Maris, der vor einigen Jahren den Entzug mitgemacht hat und seitdem auf dem Bauernhof lebt. Ab und zu fährt er nach Riga, um seinem Kind und dessen Mutter ein wenig Geld zu geben. Maris verantwortet die landwirtschaftliche Arbeit. Es gibt Schafe, Ziegen, Hühner und einen Fischteich. Möhren, Tomaten, Radieschen, Gurken und Knoblauch werden angebaut. Alle arbeiten mit.

Ein Haus - viele Probleme

Das Ensemble und die hier wohnenden Männer wirken friedlich und entspannt. Doch die äußere Idylle ist nur eine Seite der Medaille. Die Schwierigkeiten des Entzugs und der völligen Isolierung der Abhängigen während ihres Aufenthaltes führen oft an die Grenze des Erträglichen. „Mit 25 war ich dem Alkohol und der Spielsucht verfallen. Ich wollte etwas ändern. Aber allein schafft man es nicht. Meine Mutter erzählte mir vom Bethlehemhaus. Morgen bin ich 100 Tage frei von Alkohol und Spielsucht“, erzählt Andris stolz. Die fünfzehn Männer im Bethlehemhaus und auf dem Bauernhof absolvieren ein strenges Programm: Mitarbeit im Haus und auf dem Hof, gemeinsame Gebetszeiten, viermal wöchentlich Therapie, einmal pro Woche ein Gespräch mit dem Seelsorger. Wer Alkohol oder Drogen konsumiert, wird sofort entlassen. Die Erfolgsquote liegt bei 20 Prozent, was im internationalen Vergleich überdurchschnittlich ist.

Dankbar für Hilfe aus Deutschland

Gefördert wird das Bethlehemhaus vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken. Mitte Juni reisten 27 Vertreter der Diözesan-Bonifatiuswerke aus 15 deutschen Bistümern nach Lettland und informierten sich über die katholische Kirche vor Ort. „Unser Besuch gab uns einen guten Überblick über unterschiedliche Aspekte einer Kirche, die in ihrer Tradition mit einer leidvollen Geschichte während der Sowjetdiktatur leben muss. Es ist schön zu sehen, dass die Menschen vor Ort sich für ihren Glauben einsetzen und der kleinen Diasporakirche ein Gesicht in der Gesellschaft geben. Besonders beeindruckt hat mich, dass es mehr Hoffnungsträger als Bedenkenträger gibt“, sagte der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. Der Erzbischof von Riga, Zbigņevs Stankevičs, ist dankbar für die Entwicklung sozialer Projekte. „Das Erbe der Sowjetzeit ist bis heute spürbar. Bis zur Wende waren Gremien und soziale Gruppen innerhalb der Kirche verboten“, sagte Stankevičs . Bischöfe wie Stankevičs und Edvards Pavlovskis aus dem Bistum Jelgava haben angefangen, Pfarrgemeinderäte und Caritasgruppen zu gründen. Das soziale Engagement von Laien in der Kirche wächst langsam.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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