(c) Lars Schäfers

Auch ohne Besinnung eine heilige Zeit

  • 30.11.18 11:01
  • Lars Schäfers
  •   Kurz und Knapp

Die Adventszeit – eine Zeit der Besinnung, der Stille, des Innehaltens. In manchmal belehrendem Ton wird dieses vorweihnachtliche Ideal nun wieder von eifrigen Kirchenvertreterinnen und  -vertretern verkündet. Es steht jedoch in scharfem Kontrast zum hektischen Treiben in den Kaufhäusern und Fußgängerzonen genauso wie zu den meist feucht-fröhlichen Weihnachtsfeiern der Belegschaften von Firmen und Behörden. Auch für mich ist der Advent keine Besinnungszeit – im Gegenteil. Auf Januar datierte Deadlines für längere Beiträge und Projektskizzen machen den Advent für mich als Journalisten und Wissenschaftler besonders in diesem Jahr zu einer sehr arbeitsintensiven Zeit. Deshalb bleibt bei mir für Besinnung keine Zeit – muss es aber auch nicht, behaupte ich. Ist das nicht unchristlich? Nein, denn schon in altkirchlicher Zeit galt die Adventszeit keinesfalls als eine stille, besinnlich-behagliche Wohlfühlphase. Die Adventszeit war und ist eigentlich eine Fastenzeit.

Advent als Zeit der Buße

Fasten zählt wie Beten und Almosengeben zu den traditionellen Ausdrucksformen christlicher Buße. Buße klingt für moderne Ohren nach Abtragen einer Schuld, nach auferlegter Selbstkasteiung. Und im christlichen Glauben geht es dabei tatsächlich zumindest auch darum, Leiden anzunehmen und das eigene Kreuz nach dem Vorbild Jesu auf sich zu nehmen. Ein Thema, das so gar nicht zu Advent und Weihnachten passt. Allerdings meint Buße vielmehr noch ein Umdenken und Umkehren, eine Sinnesänderung und eine Hinwendung zu Gott. Auch die Arbeit mit ihren Mühen gilt traditionell als ein Mittel solcher Buße und Heiligung. Und so mache ich den Advent zu einer Zeit der heiligen „Besinnungslosigkeit“; so gebe ich meinem adventlichen Arbeitspensum einen Sinn, der letztlich dieses „Joch sanft“ und die „Last leicht“ macht (vgl. Mt 11,29).

Intensiv und spirituell

Umso befreiender ist es dann, wenn ich am letzten Arbeitstag vor dem Weihnachtsfest sagen kann: „Es ist vollbracht“ (Joh 19,30). An Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen im Kreis der Familie und in den Gottesdiensten gilt für mich dann, worauf der dritte Adventssonntag bereits verweist: „Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!“ Der Advent ist für mich besonders in diesem Jahr eine intensive Arbeitszeit, die ich spirituell als Zeit des Fastens und der Buße deuten kann. Umso mehr aber ist dann die Zeit „zwischen den Jahren“ meine ganz eigene Zeit der Stille, der Behaglichkeit, des Gebets, und ja: der Besinnung. In Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte des Buches Genesis ist diese Phase mein ganz persönlicher achter Tag, an dem ich alle Arbeit liegen lasse, ruhe, auftanke und „sah, dass es gut war“. Gerade dank der zuvor so geschäftigen Adventszeit ist diese Zeit zwischen den Jahren für mich sogar die besinnungsreichste im ganzen Jahr.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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