Philippinen – Umweltschutz – BDKJ

27. Juli 2018 Benjamin Eckert/BDKJ

Davao City. Das Projekt „Faire Kohle“ macht Grillen nicht nur zu einem kulinarischen, sondern auch zu einem nachhaltigen Vergnügen. Rund 90 Prozent der Grillkohle in Deutschland wird aus dem Ausland importiert, allein 2015 waren das laut Statistischem Bundesamt 227.000 Tonnen. Ein Großteil davon stammt aus Ländern des Südens, wo zur Herstellung von Grillkohle meist Primärwald gerodet wird.

So finden sich auch seltene Tropenhölzer in den konventionellen Kohlen aus dem Supermarkt, die jeden Sommer tonnenweise in Deutschlands Gärten und Parks verheizt werden. Anders die „Faire Kohle“ . Ihr Ausgangsmaterial ist ein Abfallprodukt in etlichen Landstrichen auf den Philippinen: Kokosnussschalen.

Kokospalmen als Baum des Lebens

In einem kleinen Dorf in der Nähe von Davao City, der Hauptstadt der philippinischen Insel Mindanao, liegt die Produktionsstätte der „Fairen Kohle“. „Wir beschäftigen derzeit sechs feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und noch einmal so viele in der Hauptsaison“, erklärt Efrin, Erfinder und Konstrukteur der bisher einzigen Kohlebrikett-Maschine in der Region. Der Sprecher des Dorfes in der Nähe von Davao City zeigt sichtlich stolz auf die Tagesproduktion der „Fairen Kohle“, die auf langen Holzbänken zwischen Kokospalmen in der Sonne trocknet.

Auch im Dorf Surop, rund drei Autostunden von der ratternden Brikettmaschine entfernt, dreht sich alles um die Nuss. Hier liegen die Kokosfarmen der Kleinbauern, die den Rohstoff für die „ Faire Kohle“ liefern. Die bis zu 25 Meter hohen Palmen werden auf dem Land „Baum des Lebens“ genannt. Nicht ohne Grund, die Ernte der Pflanze ist äußerst ertragreich. Im Produktionsprozess vieler unterschiedlicher Kokosprodukte fallen die Halbschalen der Nüsse als Abfallprodukt an.

CO2-neutraler Brennstoff

Damit diese auf dem heimischen Grill verwendet werden kann, werden halbierte Kokosschalen zu Hunderten in Betonbecken verkohlt und anschließend zu Pulver gemahlen. In großen Säcken und auf direktem Wege landet das Kohlepulver schließlich in Efrins eigens gefertigter Brikettmaschine. Wenn es nicht regnet, läuft diese auf Hochtouren und produziert bis zu einer Tonne der noch weichen Kohlebriketts.

Nach einem Tag Trocknungszeit kann das Endprodukt dann vor Ort verpackt und zu sechs Einheiten in ausrangierten Bananenkisten gebündelt werden. Von Efrins Stelzenhaus bis zu den Containerschiffen im Hafen Davao, wo die Kohle einmal im Jahr verschifft wird, sind es dann noch 30 Kilometer.

Seit jeher werden die getrockneten Kokosschalen auf den Philippinen als Brennmaterial verwendet. Der traditionelle Brennstoff ist CO2-neutral, da in der Schale durch Photosynthese Kohlenstoffdioxid aus der Luft gebunden wurde. So wird aus der verkohlten Kokosschale die ideale Grundlage für ein nachhaltiges Grillen -  im fernen Inselstaat wie auch in Deutschland.

Das Projekt auf den Philippinen

Nachdem im Dezember 2012 ein Super-Typhoon Teile der Infrastruktur in der Region Davao auf den Philippinen zerstört und vielen Kleinproduzenten die Lebensgrundlage entzogen hatte, startete mit Hilfe der Nichtregierungsorganisation Task Force Mapalad die Produktion von Grillkohle aus Kokosnuss-Halbschalen.

Projektpartner in Deutschland sind die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (AEJ) und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Nordrhein-Westfalen.

Die Faire Kohle kann im BDKJ-Verbändehaus, Steinfelder Gasse 20-22, 50670 Köln oder im Online-Shop unter www.faire-kohle.de/shop gekauft werden.